Ehrenamtliche Familienbegleiter unterstützen Familien auch jetzt!

Ehrenamtliche Familienbegleiter unterstützen Familien auch jetzt!

Seit der Verbreitung des Corona-Virus in Deutschland laufen auch in der Stiftung AKM einige Dinge anders. Eine große Einschränkung: Unsere ehrenamtlichen FamilienbegleiterInnen dürfen die Familien nicht mehr besuchen. Normalerweise sind sie einmal wöchentlich dort vor Ort und schenken den Familien ihre Zeit – um die erkrankten Kinder oder deren Geschwisterkinder zu beschäftigen, und die Eltern so zu entlasten.

Doch trotz Ausgangsbeschränkungen und Besuchsverbot sind unsere Ehrenamtlichen auch weiterhin aktiv und begleiten die Familien, nur eben anders. Darum haben wir bei ihnen nachgefragt: Wie sieht eure Unterstützung normalerweise aus, und wie in der aktuellen Situation? Was könnt ihr den Familien Gutes tun, und wie seid ihr in Kontakt miteinander? Folgend findet ihr ein paar schöne Einblicke und Rückmeldungen.

Motivation durch Bewegungsspiele

„Leider kann ich „meine“ Familie gerade nicht besuchen, es wäre zu gefährlich für die schwerkranke Schwester. Diese ist zwar durch den Pflegedienst (noch) gut versorgt, aber mein kleiner Freund, der gesunde Bruder, mit dem ich normaler Weise einmal die Woche etwas unternehme, sitzt zu Hause, während die Eltern arbeiten müssen – auch Homeoffice bedeutet ja nicht, dass nichts zu tun ist. Nachmittags stehen dann die Schularbeiten an.

Deshalb telefonieren wir jetzt häufig vormittags und ich habe mir ein Bewegungsspiel überlegt, bei dem er verschiedene Aufgaben hat, z. B. so oft er kann Hampelmann machen o. Ä.. Er zählt laut mit, so dass ich es am Telefon nachverfolgen kann. Ich motiviere ihn dann, am nächsten Tag vielleicht mehr zu schaffen. Am Ende der Woche schicke ich ihm einen Brief und eine kleine Überraschung (diesmal ist es ein lustiger Radiergummi) als Belohnung. So hat er neben all dem Fernsehen und alleine Spielen etwas Bewegung und Kurzweil am Vormittag.“

Nicole, Ehrenamtliche Familienbegleiterin

Asiatisches Essen und Kuchen für die Familie

„Die Zeit stellt gerade so ziemlich alles auf den Kopf und Prüfstand. Vieles steht still und irgendwann kam dann vom AKM die völlig richtige Entscheidung: Nichts geht mehr, zum Schutze aller Beteiligten. Gerade meine Familie trifft der Stillstand gerade ziemlich hart. Der Kinderhort ist geschlossen, das bedeutet, das Kind muss den ganzen Tag daheimbleiben, die Mutter ist inmitten einer heiklen Therapie und der Vater an allen Ecken total am Anschlag. Also habe ich mir einmal mehr überlegt wie und womit kann ich helfen und etwas Farbe und Abwechslung in diese gerade besonders triste Zeit bringen.

Zunächst einmal bin ich immer im Bilde, was gerade los ist. Wir schreiben uns täglich, telefonieren regelmäßig, so sind wir immer im Kontakt und wenn etwas im Haushalt fehlt dann kaufe ich das ein. Da ich weiß, dass der Vater derzeit wieder mal nicht seiner großen Leidenschaft, dem Kochen, nachgehen kann, koche ich einmal die Woche für 2 Haushalte. Meistens asiatisch, das isst die Familie am liebsten.

Heute habe ich dann noch spontan einen Apfelkuchen dazu gemacht, die Sachen dann in einen Korb gepackt und vor die Haustür gestellt. Immerhin konnten wir heute uns dann kurz mal zuwinken, ich aus dem Auto und die Family aufgereiht am Fenster im 1. Stock Ihrer Wohnung.

Der Vater, den ich betreue, liebt außerdem das Gärtnern und eine weitere Leidenschaft ist somit die alljährliche Gestaltung seines Balkons. Natürlich findet er auch dafür im Moment wenig Zeit. Da ich sowieso gerade mit dem Vorziehen aller möglichen Kräuter und Blumen für den eigenen Balkon beschäftigt bin, habe ich gleich alles in doppelter Ausführung angesetzt und zu Ostern bekommt er dann 20 verschiedene Kräuter und Blumen überreicht. Auf seinen ausdrücklichen Wunsch gibts einen extra großen Topf mit Salbeipflanzen.

Mir persönlich macht es total Spass, mir immer wieder die Frage zu stellen: Womit kann ich eine Freude machen? Womit kann ich die Familie mal so richtig überraschen, um für einen kurzen Moment mal das auszublenden, was ansonsten den ganzen Tag dominiert. Meistens gelingt mir das, und dann in ein strahlendes Gesicht zu blicken ist Belohnung genug und die Bestätigung, auch in schwierigen Zeiten durchaus etwas tun zu können.“

Gerrit, Ehrenamtlicher Familienbegleiter

Brieffreundschaft deluxe

„Ich hatte mit S. kürzlich einen „altmodischen“ Briefwechsel. Allerdings hat M. seinen Brief gescannt und mir elektronisch zugemailt, weil sie ja meine Adresse nicht hat 😉 S. schrieb mir, dass er mich vermisst und wie er mit der Schule kämpft. Zuletzt gab es noch zwei Witze zum Ankreuzen, ob ich sie lustig oder zum Schreien finde. Ich schrieb ihm einen Brief, wie toll er die schwierige Phase bewältigt und inzwischen an Selbstwusstsein gewonnen hat und natürlich, dass ich sehr stolz auf ihn bin.“

Hans, Ehrenamtlicher Familienbegleiter

Einkauf & Hindernisspringen für Anna und ihre Familie

„In meiner Familie spiele ich normalweise wöchentlich mit Anna*. Sie ist ein ausgesprochener Pferdenarr und zu Hause bauen wir immer einen Parkour, worüber wir springen müssen. Für mich sind die Hürden manchmal etwas zu hoch… und die Stange fällt runter.

Leider sind diese Spiele derzeit nicht möglich, da ihre Schwester zur hochgefährdeten Risikogruppe gehört. Ich kaufe deshalb freitags für die Familie ein, stelle die Tasche vor die Wohnungstüre und klingle dann. Auf Entfernung können wir uns unterhalten und ich habe ihr gesagt, dass ich zu Hause ganz fleißig trainiere. Anna war im ersten momentan total überrascht, aber jetzt trainiert sie auch ganz fleißig.

Heute in der Früh habe ich ihr Fotos von meinen Erfolgen bzw. Misserfolgen beim „Hindernisspringen“ geschickt. Ich bekam dann ein Foto zurück geschickt mit Anna, wie sie side-planks macht und dem Kommentar “Liebe Silvia, es ist o. k. wenn du es nicht schaffst, wir üben noch“.

Ich freue mich sehr darüber, dass meine Familie die derzeitige Situation so gut meistert und besonders habe ich mich auch über die selbstgebastelte Karte von Anna gefreut, die ich diese Woche erhalten habe. Die Karte hat zwei Arme und in der Mitte steht „Liebe Umarmung“ und  „Wir vermissen Dich!““

Silvia, ehrenamtliche Familienbegleiterin

*Name der Patientin ist verändert

Videos von den Hunden und Pferden

„Ich bin momentan mit meiner Familie per Whats App Fotos und Videos unterwegs 👍 Ich begleite eine Familie und betreue aus dieser Familie zwei Geschwister, Leonie* und Raphael*, diese lieben meinen Hund und meine Pferde! Ich hole die Geschwister normal aus der Familie ab, aber zur Zeit muss ich ihnen täglich Videos von Cherry, Max und Muc schicken 😁 Auch sie schicken mir Videos zurück, Raphael turnt gerne und Leonie tanzt gerne😁. So überstehen wir die Coronazeit👍“

Margit, Ehrenamtliche Familienbegleiterin

*Namen der Kinder sind verändert

Päckchen und Nachrichten gegen die Isolation

„Ich hab nicht „Colona“ – ich hab nur Krebs“ tröstet sich die 3jährige Leandra*. Als ich den warmen Apfelkuchen vor die Tür stelle und klingele kommt die blasse Mutter zum Tor und erzählt es mir.  Die drei Kinder sind mit dem Vater am Fenster und winken mir zu. Insgesamt sind in der 3-Zimmer-Wohnung jetzt sieben Personen ohne Balkon und Garten. Oma und Opa sollten helfen, die zwei Geschwister der leukämiekranken Leandra zu beaufsichtigen. Jetzt in der Corona-Zeit geht kein Flugzeug mehr in ihr Heimatland. Sie müssen jetzt auf unbestimmte Zeit in München bleiben.

Als Familien-Betreuerin kenne ich Leandra seit kurzen 8 Wochen. Sie wird im Krankenhaus bestrahlt – und kann dann meist über Nacht nach Hause. Wir haben wunderbar gemeinsam gebastelt und sind durch die Wohnung gedüst, haben mit Decken Höhlen gebaut und unterm Bett verstecken gespielt. Dann kam Corona.  Als 66jährige mit insulinpflichtigem Diabetes durfte ich ab sofort nicht mehr zu ihr. Jetzt schicke ich den drei Kindern riesen Luftballons und Ausmal-Masken, Osterlesebücher und bunte Pfeifenreiniger zum Basteln und sende Nachrichten per WhatsApp.

Am Anfang kamen Nachrichten zurück – Jetzt höre ich nichts mehr. Ich habe verstanden, dass diese Familie jetzt in einem anderen Kosmos lebt. Das war durch das todkranke 3jährige Kind schon immer so – aber jetzt in der totalen Isolation glaube ich, dass es schlimmer ist als es sowieso schon war.  Ich werde weiter Päckchen schicken und Nachrichten senden. Ich weiß, Corona geht vorbei – und dann soll Leandra mich noch kennen und wissen, dass ich für sie da war und bin.“

Edith, Ehrenamtliche Familienbegleiterin

*Der Name des Kindes ist auf Wunsch der Familie beibehalten worden.

Nachrichten und Videos

„Am 02. März habe ich „meine“ beiden Mädels das letzte Mal live gesehen – danach war entweder Schule für die Große oder/und die Kleine krank. Und dann kam Corona… Der Papa von F. und J. kämpft seit Jahren gegen den Krebs, der Verlauf reicht von kaum noch Lebensmut bis Vollzeit arbeiten. Es ist ein ständiges Auf und Ab, bei dem wir alle nie wissen, was die der nächste Monat, die nächste Woche oder sogar der nächste Tag bringen wird.

Jeden Montag hole ich die Beiden normalerweise nach der Schule von der Bushaltestelle ab um den Tag mit ihnen zu verbringen. Wir kochen und essen zusammen, spielen oder basteln, gehen nach draußen, machen irgendwelchen Unfug und haben einfach Spaß. Gut, Hausaufgaben müssen wir auch noch machen, aber das schaffen wir schnell.

Jetzt sieht unser Kontakt ganz anders aus: die Kleine schickt mir alle paar Tage ein liebes kleines Video oder irgendwelche Bilder, die sie im Netz runtergeladen hat auf mein Handy und ich kommentiere oder like das. Zum ersten April hat sie mir eine Nachricht geschickt, dass sie sich ein Schwein gekauft haben. Ich hab’s echt geglaubt und nach einem Foto gefragt – da war die Freude groß, dass sie mich reinlegen konnte!!! Von Julia höre ich leider gar nichts, wahrscheinlich ist sie viel am PC oder am Handy mit ihren Freundinnen, die Pubertät lässt grüßen.

Im Moment nähe ich an zwei Maulwürfen, die ich den Beiden zu Ostern schicken möchte, damit sie etwas von mir in den Händen haben. – Ich vermisse die beiden. Sehr schade, dass wir uns soooo lange nicht sehen können, aber es wird auch eine Zeit nach Corona geben…“

Birgit, Ehrenamtliche Familienbegleiterin

Soziale Nähe über den Gartenzaun & selbstgenähte Masken

„Ich bin ehrenamtlicher Familienbegleiter beim AKM München und unterstütze eine Familie mit 3 Kindern. Meine regelmäßigen Besuche bei der Familie sind ja jetzt wegen Covid 19 leider nicht mehr möglich, was ich auch absolut für richtig erachte. Ein persönlicher Besuch könnte fatale Folgen für alle Beteiligten haben.

Aber unterstützen kann man auch durch elektronische Medien:  Whats App, FaceTime Anrufe, Telefonate. Und ich fahre einmal in der Woche vorbei, und unterhalte mich mit der Mutter, natürlich mit genügend Abstand, min. 3m am Gartenzaun, und bringe immer etwas Kuchen mit, weil ich weiß, wie gerne das meine Jungs essen. Zum Einkaufen gehen / Besorgungen erledigen habe ich mich auch angeboten.

Meine Frau näht seit letzter Woche kostenlos – Masken für Nase und Mund – die ich im Freundeskreis und Bekanntenkreis verteile und immer um eine freiwillige Spende für das AKM bitte.“

Klaus, Ehrenamtlicher Familienbegleiter

Danke von Herzen

Unsere ehrenamtlichen Familienbegleiter und -begleiterinnen unterstützen unsere Familien auch weiterhin, so gut es nur geht! Danke von Herzen an euch alle, die trotz der veränderten Situation auch weiterhin für die Familien kämpfen und für sie da sind und ihr Bestes geben, um deren Situation so erträglich wie möglich zu machen. Ihr seid einfach wunderbar!

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