Richtige Ernährung bei kranken Babys: Jedes Kind is(s)t individuell

Richtige Ernährung bei kranken Babys: Jedes Kind is(s)t individuell

In der Sozialmedizinischen Nachsorge mit Bunter Kreis begleiten wir sehr oft Familien mit Frühchen/Babys mit einer chronischen oder schweren Erkrankung. Oft erleben wir dort, wie verunsichert die Eltern sind. Sei es aufgrund der Krankheit des Kindes, oder aufgrund der vielen Ratschläge, die von außen auf sie einprasseln. Gerade beim Thema Ernährung sind viele schnell überfordert, was richtig und was falsch ist fürs eigene Kind. Vor allem, wenn die Kinder nicht oder schlecht essen.

„Für alle Neugeborenen und Babys ist es wichtig, dass sie ausreichend zunehmen und wachsen, damit sich Gehirn, Organe und der Rest des Körpers gut entwickeln können. Noch viel mehr bei einem Frühchen oder einem Baby mit einer schweren Erkrankung. Wenn dann das Füttern nicht oder nur eingeschränkt klappt, kann das sehr schnell lebensbedrohlich für die Babys werden. Diese Bedrohung sitzt den Eltern im Nacken und der Druck von außen auf die Eltern wird schnell sehr hoch. Dabei tun sie alles, was ihnen möglich ist.“, so Meike Rädel, Leitung des Bunten Kreises München, die regelmäßig Familien beim Übergang von der Klinik in das häusliche Umfeld begleitet.

Ein Dschungel an Empfehlungen

Meinungen und Ratgeber zur richtigen Ernährung eines Babys gibt es zahlreiche. Schon in der Klinik wird den Eltern oft suggeriert, wie viel das Kind auf jeden Fall trinken „muss“. Das setzt schnell unter Druck. „Die Eltern geraten in Stress, wenn es darum geht, dass ihr Kind eine Mindesttrinkmenge pro Mahlzeit erreichen muss. Schafft es das nicht, sind die Sorgen groß. Versagensängste sind hier ein ganz großes Thema. Viele haben Angst, dass sie etwas falsch machen, wenn ihr Kind nicht alles isst oder trinkt“, schildert Meike Rädel.

„Aber das muss nicht sein. Bei der Begleitung der Eltern zuhause sehen wir uns ihre Kinder genau an. Nimmt das Kind generell zu, was macht es für einen Eindruck? Das alles behalten wir genau im Auge. Denn es ist bei jedem Kind unterschiedlich, wie viel es wirklich essen muss. Nicht jedes Kind braucht gleich viel zu essen/trinken, solange es sich gut entwickelt.“ Mit der Entwicklungsdiagnostik im Auge und der regelmäßigen Besprechung des Einzelfalls sind wir im Rahmen der Sozialmedizinischen Nachsorge im engen ärztlichen Austausch, um eine gute Entwicklung des Babys sicherzustellen – und gleichzeitig die Eltern zu stützen.

Wenn das Baby nicht mehr isst

Auch gibt es Kinder, die das Essen bewusst verweigern – in solchen Fällen können die Kinder im Kinderzentrum stationär aufgenommen werden und die Füttersituationen werden zunächst begleitet, per Video aufgenommen und nachbesprochen. Ein gemeinsamer „Fahrplan“ wird festgelegt, bei dem die Eltern festlegen, was und wann es etwas für das Kind zu essen geben soll. Die Kinder entscheiden dann, ob und wieviel sie essen. Wenn sie nichts essen, wartet man bis zur nächsten Mahlzeit – und schwenkt wenn grenzwertig auf eine Magensonde/ein PEG (perkutane gastroenterale Sonde) um. „Nach der Entlassung nach Hause unterstützen wir die Familien dann dabei, diesen Fahrplan mit ihnen und den betreuenden Kinderärzten weiterzuverfolgen. Wir begleiten das Füttern, geben Anleitung und unterstützen die Eltern auch auf psychologischer Ebene.“

Mit der Magensonde zu mehr Ruhe

Bei manchen Babys führt die körperliche Verfassung unweigerlich dazu, dass eine Magensonde notwendig wird – etwa bei Kindern, die einfach zu wenig erwischen oder bei Kindern, die einen Herzfehler haben und deren Herz und Lunge zu schwach sind, um genug zu trinken.

„Für viele Eltern ein schreckliches Gefühl, doch meist bringt solch eine Sonde eine Erleichterung für alle. Als Beispiel kann ich hier nur eine Mama nennen, deren Tochter zu wenig getrunken hatte und sie deshalb wieder ins Krankenhaus musste. Die Angst der Mama um ihr Kind war riesig, weil sie die Flasche nicht mehr annahm. Die Magensonde half ihr dabei, um die Flasche herumzukommen – und sie sorgte dafür, dass das Mädchen wieder ausreichend Nahrung zu sich nahm und die Mutter sich etwas entspannte“, so Meike Rädel.

Über die Sonde wird den Kindern dem Alter entsprechend ausgewählte Babynahrung gefüttert. Beim Übergang nach Hause müssen die Eltern lernen, die Magensonde selbst zu legen, wenn diese gewechselt werden muss oder in der Nase verrutscht. Wenn dies noch nicht gleich klappt, unterstützen wir die Eltern auch dabei.

Möglichkeiten zur Beikost

Auch wenn man normalerweise ab etwa dem 5. Monat Beikost füttert, ist der richtige Zeitpunkt bei jedem Kind unterschiedlich und richtet sich danach, ob das Kind schon bereit dafür ist. Hier bedarf es den Mut der Eltern, auszuprobieren, was der richtige Weg ist und wann es los geht damit – und auf welchem Wege die Kinder die feste Nahrung zu sich nehmen können/wollen. Ob mit dem Löffel, der Lerntasse oder mit den Fingern – ob frisches Obst, Gemüse oder Babygläschen, die Auswahl ist schier riesig. Auch hierbei begleiten wir die Eltern, um den besten Weg für sich und ihr Kind zu finden und sich von der großen Auswahl an Beikost und Möglichkeiten nicht beirren zu lassen.

Die Stiftung AKM als Filter und Vertrauensfinder

In der Sozialmedizinischen Nachsorge sorgen wir unter anderem dafür, die Informationen, die von außen auf die Eltern einprasseln, zu filtern. Wir versuchen, für sie auszublenden, was überflüssig ist und wollen ihnen das Vertrauen in sich selbst zurückgeben. „Viele Eltern verlernen, darauf zu hören, was richtig ist für ihr Kind und für sich selbst. Auch in Bezug auf die richtige Ernährung. Um dieses Selbstbewusstsein und -vertrauen zurückzugewinnen, sind wir an ihrer Seite. Mit jeder Familie versuchen wir, den Weg zu finden, der für sie passend ist. Denn den einen richtigen Weg beim Thema Ernährung gibt es nicht“, so Meike Rädel.

 

Wie es ist, wenn die Tochter zu wenig isst und was das mit den eigenen Gefühlen macht, erzählte uns eine Mama bereits 2019. Den Bericht „Unsere Kleine ist immer kraftvoll und fröhlich“ lesen Sie hier.

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