Nades Kampf gegen die Leukämie: „Seine größte Angst war es, allein zu sein“

Nades Kampf gegen die Leukämie: „Seine größte Angst war es, allein zu sein“

Nade hat seinen mutigen Kampf gegen den Krebs verloren – seine Mama wich dabei nie von seiner Seite. Die Stiftung AKM unterstützt sie und ihre Familie, wo sie kann.

 

Nade hätte gern noch seinen sechsten Geburtstag erlebt. Aber obwohl er ein echter Kämpfer war, hat sein Herz wenige Stunden davor aufgehört zu schlagen. Zu stark war sein kleiner Körper von dem aggressiven Blutkrebs geschwächt, gegen den er drei Jahre gekämpft hatte. Nades Mama Daniela ist unheimlich stolz auf ihren Sohn. Sie war an seiner Seite, bis es nicht mehr ging. Das hatte sie ihm versprochen, obwohl sie noch drei andere Kinder allein – mit Hilfe ihrer Mutter – großzieht. Seit Oktober 2020 unterstützt die Stiftung AKM aus dem Zentrum Südostoberbayern die Familie mit ihren umfangreichen Leistungen.

Ein riesen Schock

Die Diagnose traf die gesamte Familie kurz vor Nades drittem Geburtstag aus heiterem Himmel. Wegen des Verdachts eines Virusinfekts wurde ein Blutbild und eine Punktion gemacht, die kurze Zeit später bestätigten: Leukämie. „Wir waren alle geschockt,“ erzählt Mama Daniela. Trotzdem fand die Familie zusammen die Kraft, die notwendige Chemotherapie durchzuziehen. „Nade hat super mitgemacht. Trotz seiner Schmerzen hat er immer versucht stark zu sein.“

Besonders schwer waren die langen Klinikaufenthalte auch für die drei anderen Kinder, die zwei jüngeren wurden in dieser Zeit von Danielas Mutter versorgt. Ihre Mama und der kleine Bruder fehlten ihnen aber natürlich sehr. „2018 habe ich meine drei anderen Kinder insgesamt sieben Mal gesehen“, sagt Daniela. Dabei wird deutlich, welch große Belastung es für die gesamte Familie ist, wenn ein Mitglied schwer erkrankt.

Hoffnungsvolle Monate – und Rückschläge

Die Chemotherapie wirkte, Nade ging es besser – das zarte Pflänzchen Hoffnung durfte ein wenig wachsen. Dann der Rückschlag im Februar 2020: Der Krebs war wieder da. Die Ärzte schlugen eine Stammzellentherapie vor. Mama Daniela spendete ihre Zellen – „Superheldenzellen“ wie sie sie nannte, um Nade das Procedere zu erklären und ihm Hoffnung zu schenken. Die aufwendige Therapie schlug gut an, nach vier Wochen durfte Nade sogar die Klinik verlassen. Es folgten ein paar hoffnungsvolle Monate. Im Oktober 2020 – inmitten der Corona-Krise – dann der zweite Rückfall. „Obwohl Nade ja noch sehr jung war, hatte er einen unglaublichen Kämpferwillen, aber auch ein ziemlich gutes Gespür. Bei dem erneuten Rückfall hatte er bereits eine gewisse Ahnung: Er meinte zu mir, dass er nicht glaubt, dass er wieder gesund wird,“ erzählt seine Mama.

Neue Therapie lässt hoffen

Und doch ließ er all die Prozeduren wieder über sich ergehen. Corona erschwerte die Situation für die gesamte Familie, sein letztes Weihnachten und sein letztes Silvester verbrachte Nade allein mit seiner Mama in der Klinik – ohne seine drei Geschwister. Daniela wich nun kaum mehr von seiner Seite. Neue Hoffnung versprach die innovative Car-T-Zell-Therapie, eine neuartige Krebsimmuntherapie. Nade ging es wieder besser – die Familie dachte für kurze Zeit, es nun wirklich geschafft zu haben.

Im April 2021 dann der erneute, der dritte Rückfall. Während die Ärzte sich Gedanken über eine weitere Therapie machten, war für Nade klar, er möchte nicht mehr kämpfen. „Ich hatte ihm von Anfang an versprochen, dass wir nur so lange kämpfen, wie er es möchte. Nach dem dritten Rückfall wollte er nicht mehr“, erzählt Daniela. „Auf die Frage, ob er Angst habe, meinte er: Ja. Seine größte Angst war es allein zu sein. Deshalb blieb ich bei ihm, bis es nicht mehr ging.“

Nade – ein unerschrockener Kämpfer

„Er muss starke Schmerzen gehabt haben, aber er ließ sich kaum etwas davon anmerken. Bis zum Schluss versuchte er, uns alle aufzuheitern und zum Lachen zu bringen. Am Ende ging er, wie er auch sein kurzes Leben gelebt hatte: als unerschrockener Kämpfer.“

Auch nach seinem Tod versucht Mama Daniela weiter stark zu sein – vor allem für ihre drei anderen Kinder. Auf der Beerdigung ist sie es, die ihre Familie tröstet. Ihren Schmerz versucht sie schreibend zu verarbeiten, indem sie ein selbstgeschriebenes Gedicht vorträgt.

Der Versuch, im Hier und Jetzt zu leben

Daniela versucht, nach vorne zu schauen. Sie versucht, im Hier und Jetzt zu leben, für ihre Kinder da zu sein. Nades Schwester kommt diesen Herbst in die Schule und musste sich kürzlich auch einer schwierigen Operation unterziehen. Zum Glück ist alles gut gegangen. Ihre Emotionen und Erlebnisse möchte Daniela in einem Buch verarbeiten. Unter anderem auch, weil sie Nade versprochen hat, seine Geschichte zu erzählen. Zu dieser Geschichte gehört auch, dass Nade nie wirklich eine Chance hatte. Untersuchungen haben im Nachhinein ergeben, dass er unter einer extrem aggressiven Form der Leukämie litt, bei der mehrere Mutationen übereinander lagen. Die Forschung wird darauf hoffentlich bald eine entsprechende Antwort haben, für Nade kommt diese allerdings zu spät.

Das Zentrum Südostoberbayern der Stiftung AKM steht an der Seite von Daniela und ihrer Familie – bis heute. AKM-Mitarbeiterin Christiane Greinsberger ist nach wie vor viel mit ihr in Kontakt und versucht auf die Bedürfnisse der Familie einzugehen. Eine ehrenamtliche Familienbegleiterin besuchte bis vor Kurzem einmal wöchentlich Mila, Nades Schwester, um mit ihr einen unbeschwerten Nachmittag zu verbringen, indem sie gemeinsam auf dem Spielplatz waren oder einfach nur miteinander gespielt haben. Die Kolleginnen von der Angehörigenberatung standen Daniela bei Anträgen mit Rat und Tat zur Seite, das Psychologenteam der Stiftung hilft der Familie, das Erlebte zu verarbeiten.

Die Stiftung AKM ist für Mama Daniela und ihre Familie da – so wie sie immer für Nade da war und so lange, wie sie es möchte.

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