Schulung Ehrenamt RUF24: Mit anderen Augen durchs Leben gehen

Schulung Ehrenamt RUF24: Mit anderen Augen durchs Leben gehen

Unsere RUF24-Ehrenamtliche Michaela beschreibt in einem sehr bewegenden Erfahrungsbericht, wie sie die Schulung zur Ehrenamtlichen im Kriseninterventionsdienst erlebt und wie sich ihr Leben dadurch verändert hat.

 

Eine emotionale Entscheidung

Seit Mai 2019 bin ich bei der Stiftung Ambulantes Kinderhospiz München als Ehrenamtliche im RUF24-Team im Einsatz. Anfangs, als ich mir überlegte, mich zu bewerben, war ich zwischen verschiedenen Emotionen hin- und hergerissen. Es kamen Fragen auf, die ich mir stellte: Würde ich stark genug sein oder habe ich mir zu viel vorgenommen? Kann ich Eltern und Familien die Stütze sein, die sie in schwierigen Stunden brauchen? Werde ich etwas falsch machen? Und was kann ich tun, um auf mich selbst aufzupassen?

All diese Fragen bewegten mich nicht nur im Vorfeld, sondern auch als die Schulung begann. Ich war froh, dass die Ausbildung in mehrere Module, die sich über einige Monate erstreckten, aufgeteilt war. So hatte ich die Sicherheit, nach jeder abgeschlossenen Einheit reflektieren und nachdenken zu können, ob diese Aufgabe die Richtige für mich ist.

Die Module haben viel in mir bewegt. Es waren stets interessante, oft emotional berührende und bewegende Einheiten. Vieles wirkte auch Tage danach noch nach und führte dazu, dass ich mich als Mensch besser kennenlernte. Besonders intensiv und hilfreich empfand ich dabei die wiederkehrenden Rollenspiele. Anfangs war ich gehemmt und wusste nicht so recht, wie ich mich am besten verhalten soll. Rollenspiele waren eigentlich nie mein Ding. Es arbeitete in mir: Sollte ich mir einen Plan zurechtlegen? Sollte ich mir feste Fragen überlegen? Schnell merkte ich, dass ich mit zu viel gedanklicher Planung nicht vorankam, denn jede Familie, jede Situation ist anders und auf ihre eigene Art berührend und individuell. Die Kombination zwischen Kopf und Bauch spielt eine große Rolle und diese miteinander zu verbinden, war für mich während der gesamten Ausbildung eine wichtige Übung. Es braucht Struktur und auch Flexibilität, um individuell und für die betroffene Familie passend zu reagieren.

 

Lernen, einfach Mensch zu sein

Mit jedem neuen Modul wuchs meine Handlungssicherheit und auch das Vertrauen in mich. Und ich lernte noch besser zu spüren, was auch mir persönlich guttut. Selbstfürsorge ist ein wichtiges Thema und darf nicht zu kurz kommen. Also nahm ich mir nach jedem Schulungstag noch etwas Schönes für den Abend vor. Ganz gleich, ob es ein gutes Buch, ein lustiger Film oder ein Abendessen mit Freundinnen war – abschalten und an etwas ganz anderes denken, um mich zu erden und zu entspannen.

Neben all dem faktischen Wissen, das uns in der Schulung vermittelt wurde, war und ist für mich die persönliche Betreuung und Wertschätzung, die uns entgegenkam und auch jetzt stets entgegenkommt, eine besonders schöne und wichtige Erfahrung. In einem Team eingebunden zu sein, auf das man sich verlassen kann, gibt unheimlich viel Sicherheit.  Keine*r von uns ist allein.

Während all der Monate der Ausbildung habe ich immer wieder aufs Neue lernen dürfen, dass es nicht so sehr darauf ankommt, meinem persönlichen Perfektionismus nachzugeben, sondern einfach „Mensch zu sein“. Empathie zu zeigen und zu leben, sowohl in der Krise als auch im alltäglichen Leben, darauf kommt es an.

Ich habe viel über mich selbst gelernt und kann sagen, dass ich mit anderen Augen durchs Leben gehe. Der Slogan des AKM „Nicht das Leben mit Tagen, sondern die Tage mit Leben füllen“ nimmt für mich einen hohen Stellenwert ein. Ich habe gedanklich stets viel Zeit in der Zukunft, aber auch der Vergangenheit verbracht und mir Sorgen um Dinge gemacht, von denen ich noch gar nicht wusste, ob sie jemals kommen und passieren oder habe über Entscheidungen nachgegrübelt, die längst getroffen waren. Meinen Fokus stärker auf den Augenblick zu legen und dankbar für jeden Tag zu sein, das ist es, was ich als nachhaltige Botschaft für mich aus der Ausbildung mitgenommen habe.

 

Kommende RUF24-Schulungen

Der nächste Durchgang der RUF24-Schulung findet an folgenden 5 Wochenenden statt:

  • Modul 1: 16.11. & 17.11.2019
  • Modul 2: 30.11. & 01.12.2019
  • Modul 3: 18.01. & 19.01.2020
  • Modul 4: 08.02. & 09.02.2020
  • Modul 5: 14.03. & 15.03.2020

Folgende Themen werden in der Schulung behandelt:

  • Was ist ein Trauma? Was ist eine Krise?
  • Wie unterstütze ich Familien in Krisensituationen?
  • Wie sorge ich für mich selbst, damit ich andere in Krisen gut begleiten kann?
  • Weitere Themen: Kommunikation und Stabilisierungsmethoden, Psychiatrie und Suizid, Kinder als besondere Zielgruppe und Bindung, Krisenintervention in der perinatalen Phase, Auseinandersetzung mit Tod, Sterben, Kultur und Trauer, Struktur der Intervention, Recht, Palliative Krankheitsbilder in der Pädiatrie

Neben der Vermittlung von Wissen, ist es vor allen Dingen wichtig, dass die Ehrenamtlichen in Ausbildung sich mit relevanten Themen auseinandersetzen, um sich selbst und ihre eigenen Standpunkte besser kennenzulernen. Dies hilft dabei, sich in der Krisenbegleitung ganz auf die betroffene Familie einlassen zu können und gleichzeitig die eigenen Grenzen wahrzunehmen und zu respektieren.

 

Als ehrenamtliche/r Krisenbegleiter/in unterstützen

Haben Sie Interesse, die Stiftung AKM als ehrenamtliche/r Krisenbegleiter/in zu unterstützen? Wir freuen uns über zahlreiche Bewerber/innen und die Vergrößerung unseres tollen Teams!

Für mehr Informationen und zur Vereinbarung eines persönlichen Kennenlerngesprächs melden Sie sich bitte bei Katharina Müller (Ehrenamtsmanagement Krisenbegleitung RUF24). Mail: katharina.mueller@kinderhospiz-muenchen.net; Mobil: +49 (0)1578 059 69 59

Kontakt

Wenn Sie Fragen haben , zögern Sie bitte nicht uns zu kontaktieren.

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