„Hoffnung ist etwas, was nicht verschwindet“

„Hoffnung ist etwas, was nicht verschwindet“

Saskia verlor im April ihre Mama, die an Krebs erkrankt war. Mit Hilfe der Stiftung AKM schöpfen sie und ihr Papa Stefan wieder Hoffnung und neuen Lebensmut.

Mama ist schwerkrank

„Weil Bäume stark sind,“ sagt Saskia als wir sie fragen, warum sie den Lebensbaum als ihr persönliches Hoffnungssymbol sieht. Stark ist auch Saskia. Das musste sie auch sein. Als Ende 2019 bei ihrer Mama Marion der Krebs zurückkam, nachdem sie ihn vor rund sechs Jahren zunächst besiegt hatte, veränderte sich ihr ganzes Leben. Zunächst war zwar unklar, ob es tatsächlich wieder Krebs war, aber da sich der Gesundheitszustand ihrer Mama sehr schnell verschlechterte, gab es bald keinen Zweifel mehr. Der Krebs war wieder da und verbreitete sich über das Lymphsystem in Marions ganzem Körper.

Eine schwierige Situation für alle

Die damals zwölfjährige Saskia und ihr Papa Stefan mussten schnell mit der neuen Situation klarkommen: Mama Marion war oft im Krankenhaus. Wenn es ihr besser ging, durfte sie immer mal wieder nach Hause – nur um dann wieder eingeliefert zu werden. Saskia war in dieser Zeit viel allein: In der Klinik waren Besuche wegen Corona weitestgehend untersagt, beim Homeschooling war sie viel auf sich allein gestellt, weil ihr Papa zur Arbeit musste. Die Oma wohnt zwar nebenan, aber gerade beim digitalen Fernunterricht konnte auch sie nicht allzu viel helfen. Saskia aber arrangierte sich mit der neuen, schwierigen Situation und konnte sogar ihre guten Noten halten.

Stefan und Saskia verlieren die Kraft

Stefan und Saskia bemühten sich, stark zu sein – merkten aber irgendwann, dass ihnen die Kraft ausgeht. Zu schwer wog allmählich die psychische Belastung, sich große Sorgen um die kranke Mama und Ehefrau zu machen und dennoch den Alltag zu stemmen. Daher machten beide gemeinsam einen sehr mutigen Schritt: Sie baten um Hilfe. Die Münchner Frauenklinik in der Taxisstraße, die sich um Marions Behandlung kümmerte, nahm daraufhin Kontakt mit der Stiftung AKM auf.

Unsere Kollegin Katharina Müller, Psychologin und Leiterin des Kriseninterventionsdienstes RUF24, begleitete von da an Saskia. Klaus Darlau, ebenfalls Therapeut beim AKM, führte mit Stefan lange Gespräche und versuchte, zusammen mit ihm Wege zu finden, mit der schwierigen Situation umzugehen. Zudem unterstütze die Angehörigenberatung der Stiftung bei sozialrechtlichen Fragen.

Die Krankheit annehmen

Stefan erinnert sich: „Herr Darlau machte meist wenig Worte und gab doch immer wieder wichtige Impulse für den Umgang mit der Krankheit. Eines hat uns dabei besonders geholfen: Der Rat, die Krankheit zu akzeptieren, nicht gegen Unumstößliches zu kämpfen.“ Für Saskia war in dieser Zeit besonders wichtig, dass sie mit jemandem außerhalb der Familie reden und sie sich ihre eigenen Rückzugsorte schaffen konnte. Gemeinsam mit Katharina Müller gestaltete sie einen sicheren inneren Ort, den sie in Gedanken immer wieder aufsuchen konnte. Dafür malte sie ein farbenfrohes, detailliertes Bild und besprach mit der Psychologin, was an diesem Ort für sie wichtig sein könnte.

Ehrliche Worte, ein gemeinsamer Abschied

Marion ging es unterdessen immer schlechter, Papa Stefan und Saskia mussten mit dem Schlimmsten rechnen. Saskia forderte in dieser Zeit vehement ein, dass offen und ehrlich über die Krankheit gesprochen wird und bewies damit sehr viel Mut. „Ich habe mir einiges anhören dürfen von meiner Tochter in dieser Zeit – besonders wenn sie spürte, dass wir nicht komplett aufrichtig sind, “ erzählt Stefan. Auch wenn es schwerfällt, für Papa Stefan und Saskia war und ist der Weg der Offenheit der richtige. Trotz Corona konnten sich beide noch von Mama Marion verabschieden. „An unserem letzten gemeinsamen Nachmittag in der Klinik haben wir viel gelacht und geredet und getan, als ob es ein ganz normaler Besuch wäre – auch wenn wir wussten, dass es wahrscheinlich der letzte sein würde,“ sagt Stefan.

Den eigenen Weg finden

Als die Nachricht von Marions Tod dann kam, war da neben der großen Trauer auch ein Stück weit Erleichterung – darüber, dass sie ihr Leiden nun überwunden hatte. Das war im April. Seitdem bemühen sich beide, ihren eigenen, gemeinsamen Weg zu finden – ohne Mama Marion, auch wenn sie sie sehr vermissen. Das ist nicht immer leicht, aber die große Zuneigung, viel Kraft und Mut helfen bei jedem einzelnen Schritt. Die beiden haben gemeinsame Rituale gefunden und haben mit Hilfe vom AKM-Psychologenteam gelernt, ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse, wie zum Beispiel nach mehr Freiraum, zu artikulieren.

Durchhalten, weitermachen, Hilfe holen

Tanzen, zeichnen, kreativ sein – das sind Saskias Helfer, um mit ihrer Trauer umzugehen. Vater und Tochter kochen und backen zusammen, reden viel, sind offen und ehrlich miteinander. Beide wollen nach vorne schauen, nicht rückwärst gewandt in der Vergangenheit leben. Dieses vertrauensvolle Vorangehen lässt Saskia und ihren Papa hoffen, dass Gutes auf sie wartet. „Durchhalten, weitermachen, Hilfe holen und sich von Rückschlägen nicht unterkriegen lassen“, lauten ihre Ratschläge für Menschen, die sich in ähnlichen Situationen befinden.  „Familie, Freunde, Zuneigung, jedes gute Gespräch – all das gab und gibt mir immer wieder Zuversicht und Mut, weiterzumachen,“ sagt Saskia. Der Stiftung AKM sind beide sehr dankbar, die sie auf diesem Weg weiterhin begleitet.

Wir wollen dabei Partner auf Augenhöhe sein. „Wir erkennen an, dass jeder Experte im eigenen Leben ist. Die Familien geben vor, wie wir sie unterstützen können. So können die Betroffenen Kraft und Hoffnung zurückgewinnen, ihren individuellen Weg weiterzugehen“, sagt Katharina Müller.

„Nicht den Kopf in den Sand stecken“

Mit Blick auf das kommende Weihnachtsfest haben Saskia und Stefan ein wenig Angst – es wird das erste Weihnachten ohne Mama Marion sein. Beide haben sich vorgenommen, sich auf die kleinen Dinge zu freuen: ein gemeinsamer Besuch auf dem Weihnachtsmarkt, die Krippe aufstellen, ein gemeinsames Essen mit den Großeltern. „Wir werden den Kopf nicht in den Sand stecken, das ist nicht unser Ding“, sagt Stefan. Saskia nimmt dabei seine Hand und drückt sie kräftig. Kraft- und hoffnungsvoll wie ein Baum steht sie neben ihrem Papa. Mit starken Wurzeln, aber auch neuen Trieben, die sich hoffnungsvoll der Sonne entgegenstrecken.

© Zeichnung: Saskia

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