Raum für eigene Bedürfnisse: Ich bin auch noch da!

Wie wir Geschwisterkinder und Kinder von erkrankten oder verstorbenen Elternteilen unterstützen

Als Kind in einer Familie aufzuwachsen, in der der Bruder oder die Schwester schwersterkrankt ist, oder auch ein Elternteil, ist nicht immer einfach. Zu oft spielt die Krankheit des Geschwisterkindes oder Elternteils eine zentrale Rolle. Der Tagesablauf ist viel geprägt von Arzt- oder Klinikbesuchen, teilweise sind unterstützendes Pflegepersonal und immer wieder auch fremde Gesichter mit im Haus. Mama und Papa machen sich viele Sorgen, sind damit beschäftigt, den Alltag zu koordinieren und neben der Arbeit, dem Haushalt und Erledigungen auch noch irgendwie ein bisschen Familienleben unterzubekommen. Die gesunden Kinder und Geschwisterkinder laufen dann ganz oft „einfach mit“, aber meist ist nicht genug Raum für ihre Bedürfnisse. Viele ziehen sich dann zurück, sind in sich sehr traurig, und viele Gedanken bleiben ungesagt.

Zeit und Aufmerksamkeit schenken

Vor allem auf diese Kinder legen unsere Kinderhospizteams in unseren vier AKM-Zentren daher ein großes Augenmerk. „Unsere ehrenamtlichen Familienbegleiter*innen besuchen die Familien regelmäßig und schenken den Geschwisterkindern und Kindern erkrankter Eltern ihre Zeit und ungeteilte Aufmerksamkeit – sie sind Vertrauensperson, Spiel- und Gesprächspartner*in und sorgen für ein Stück Normalität im oft schwierigen Alltag. Daneben begleiten wir diese Kinder und Jugendlichen bei Bedarf auch mit therapeutischen Gesprächen und Kurzinterventionen, die sie stabilisieren und auffangen sollen, wenn die Situation sie überfordert oder es Themen gibt, die sie zuhause mit niemanden besprechen wollen oder können“, erzählt Christiane Greinsberger, Kinderhospizfachkraft im Zentrum Südostoberbayern und Ansprechpartnerin für die ehrenamtlichen Familienbegleiter*innen dort.

Gruppenangebote geben Raum

Außerdem organisiert die Stiftung AKM im Rahmen von Teilhabeangeboten verschiedene Aktivitäten und Gruppen für Geschwister und Kinder mit erkrankten/verstorbenen Elternteilen. Hier können sie mit anderen betroffenen Kindern/Jugendlichen schöne Momente abseits des Alltags verbringen und bekommen ihren ganz eigenen Raum – zum Beispiel in der Gruppe für Jugendliche ab 12 Jahren „Intuitives Malen“ im Zentrum in Rosenheim. Diese findet dort einmal im Monat nachmittags, geleitet von René Menjivar-Köhler, einem ehrenamtlichen Familienbegleiter, statt.

„Malen bedeutet, anders zu sehen, anders wahrzunehmen und den Blickwinkel zu verändern. In der Malgruppe können die Jugendlichen Bauch und Herz malen lassen, frei von jeglichem Erwartungsdruck und Bewertungen, ganz intuitiv. Was zählt, ist die Zeit des Machens und Experimentierens, die eine heilende Wirkung haben kann. Vorkenntnisse brauchen sie nicht“, weiß der Trauer- und Hospizbegleiter mit Zertifikat für Künstlerische Gestaltung. An Nachmittagen wie diesen zählen nur die Jugendlichen – sie finden dort Raum, sich zu öffnen, zu lachen oder nachzudenken. Und für ein paar Momente einfach Kind oder Jugendliche*r zu sein.

Übrigens, am 10. April ist Siblings Day, Internationaler Tag der Geschwister. Allen großen und kleinen Schwestern und Brüdern, egal ob krank oder gesund, senden wir liebe Grüße und unsere guten Gedanken. Jeder von euch ist besonders!

 

Bilder:  Stiftung AKM/Bilder der Gruppe für Jugendliche „Intuitives Malen“ März 2024, Zentrum Südostoberbayern

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