Silas ist mein großer Kraftspender

Silas ist mein großer Kraftspender

Ein Freitag, wie jeder andere und doch ein Tag, den ich wahrscheinlich nie wieder vergessen werde. Beim Duschen ist mir aufgefallen, dass meine Brust hart ist und die Brustwarze eingezogen. Ich habe mir nichts dabei gedacht, alles auf den monatlichen Zyklus geschoben. Montag, es ging zum Frauenarzt. Die Reaktion hat mir schon gezeigt, hoppla da stimmt was gar nicht. Keine 30 Minuten später die Mammografie und eine Stanzbiopsie. Der zuständige Arzt in der Radiologie meinte, es sei ganz deutlich ein Knoten, er kann mir aber erst mehr nach der Histologie sagen. Es war zwei Tage später, ein Mittwoch, wir waren mit meinem Bruder im Legoland, als der Anruf kam. „Es tut mir leid, aber es ist bösartig, Sie haben Krebs“. Meine Frage, war ob es operiert werde muss. Der Arzt meinte, eventuell wird erst eine Chemotherapie gemacht und dann operiert. Es sollte sich herausstellen, dass er Recht hatte. Eine Welt brach zusammen, ich konnte nicht weinen, sah nur um mich herum Familien, die den Tag genossen. Und meinen Sohn, der von all dem nichts wusste. Ich musste stark sein – für ihn, für mich. Nicht zusammenbrechen. Den Kampf aufnehmen und gewinnen. Da wusste ich allerdings noch nicht, wie schlimm es noch kommen würde.

Ich glaube, der schlimmste Tag war, meinem Sohn zu sagen, dass ich schwerkrank bin. Dass ich Krebs habe. Tagelang habe ich es ihm verschwiegen, weil ich nicht wusste, WIE ich meinem 9-jährigen Jungen erklären sollte, dass ich nie wieder die alte sein werde. Wir haben beide geweint, haben beide dem anderen Mut gemacht, dass alles wieder gut wird und wir das schaffen, ich das schaffe. Natürlich war das Thema Tod allgegenwärtig. Wir haben darüber gesprochen, was passiert, falls ich sterben sollte.

Mein wunderbarer Sohn, bei dem im Dezember 2016 ADS (Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom) diagnostiziert worden war. Für den der schulische Alltag eine Herausforderung ist, die er aber jeden Tag voller Kraft und Mut bewältigt, obwohl er weiß, dass er anders ist als die anderen. Jetzt musste er sich auch noch mit so einer schrecklichen Krankheit bei seiner Mutter auseinandersetzen.

Wir hatten Glück, egal mit wem wir geredet haben, alle waren verständnisvoll. Silas hat ein wunderbares Sicherheitsnetz, das ihn auffängt, wenn ich es mal nicht kann. Er hat sogar eines Tages die Kraft und den Mut gehabt, vor der gesamten Klasse zu erzählen, dass ich Brustkrebs habe und bald keine Haare mehr haben werde. Die ganze Klasse hat ihn aufgemuntert und ihm geholfen.

Seit meiner Diagnose sind 9 Monate vergangen, davon 6 Monate Chemotherapie, eine Mastektomie und zwei weitere Operationen. Es folgen noch Bestrahlung und Hormontherapie sowie diverse Rekonstruktions-Operationen. Es ist noch ein weiter Weg und viele Hürden und Hindernisse sind zu überwinden.

In dieser Zeit gab es so viele Momente, in denen wir beide über uns hinauswachsen mussten, um dem anderen den Raum zu geben, den jeder von beiden braucht, und um zu verstehen. Habe ich bis heute verstanden, was mit mir passiert ist? Nein. Sehe ich das Leben anders? Auf alle Fälle.

Achtsam

Oft wurde ich gefragt: So eine schlimme Krankheit – wie machst du das nur? Hm, ich empfinde es nicht als schlimm. Mehr ist es eine Lektion, die mich gelehrt hat, dass ich voller Mut und Kraft über meine Grenzen gehen kann und trotzdem achtsam mit meinem Umfeld umgehe. Eines Tages werde ich wie ein gesunder Mensch angesehen, aber andere Menschen kämpfen ein Leben lang mit Krankheiten und Behinderungen und diese haben meinen vollen Respekt! Ihr seid diejenigen, die gefeiert werden müssen.

Danke an meinen wundervollen, einzigartigen Sohn. Du hast in deinem jungen Leben schon so viel durchmachen müssen, so viel lernen müssen. Gerade das macht dich zu einem so einzigartig liebevollen sozialen Menschen. Du kannst den Menschen durch deine Achtsamkeit so viel beibringen und lehren, was kein anderer schafft.

Kraftvoll

Du, mein lieber Silas, hast mit mir gekämpft, geweint, gelacht, warst verzweifelt und hast doch immer den Mut gefunden, mit jemanden zu reden, die Kraft, um meine schlechten Tage auszuhalten und die Achtsamkeit, auch mal zurückzustecken.

Mutig

Ich sehe, dass du selbstständiger geworden bist, aber auch verletzlicher. In Wahrheit bist du der mutige Kämpfer und hast alles gegeben!

Zu unserer Familie: Ich bin eine 34-jährige alleinerziehende Mutter mit einem 9-jährigen Sohn.

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